Die Reise geht weiter, ein Tag als Z121!

Neben den Problemen mit dem Kribbeln war da noch ein komisches Druck Gefühl unter den Rippen. Mein Arzt fragte mehrmals, ob ich an Atemnot leiden würde, oder ob ich weniger belastbar sei als sonst. Aber das konnte ich alles verneinen. Das Herz war es wohl demnach nicht, was ein Glück!

Aus ihrem Urlaub heraus bot spontan eine mit mir im Chor singende Physiotherapeutin ihre Hilfe an. Beste Grüße an dieser Stelle, meine Mutter hat sie seit dem in ihre Nachtgebete eingeschlossen 😉 Und auch ich bin unendlich dankbar für die Unterstützung und die Hilfe! Denn bereits nach dem ersten Besuch in der Praxis und einer der dort gelernten Übungen, war der Druck unter den Rippen schnell weg. Das gibt einen Extra Beutel gebrannte Mandeln bei der Weihnachtsfeier.

Mein Hausarzt hingegen war wenig begeistert von den Ergebnissen des MRT und von Neurologe Nr 1, die bis dato bei ihm eingelaufen waren. Klar, nicht nur ich will wissen, was da nicht stimmt, sondern auch seine Berufsehre schreit nach einer Aufklärung.

Er schickte mich also per Einweisung ins Klinikum Kassel, Notaufnahme. Abklären von neurologischen Störungen. Der Druck auf der Brust, stand auch mit auf der Einweisung, war aber dank der Übungen nicht mehr wirklich im Fokus.

Wie durch ein Wunder war nichts los als ich die heiligen Hallen betrat und ich kam auch gleich dran, Z121. 8:34 sollte auf dem Aufnahme Bogen später zu lesen sein.

Also fuhr mich meine Mutter am Morgen nach dem Arzt Termin ins Klinikum. Ich war bewaffnet mit einer Banane und einer Packung Keksen. Ich dachte das reicht 🙈

Eine Schwester klemmte mich an alles an, was da so an Geräten rum stand, EKG, Blutdruck, Puls und Sauerstoff Sättigung. Beim zweiten Versuch saß auch die Braunüle im Arm. Der erste Versuch hatte leider einen sehr unschönen Bluterguss hinterlassen, Blut kam aber erst beim zweiten Versuch.

Und los ging es. Warum sind sie hier, kommen sie auf eigene Faust, was passt denn in ihren Augen nicht… Ich erzähle also wieder, was seit einigen Wochen mit mir los war. Als die Internistin kam, musste ich meine Geschichte noch einmal wiederholen. Das erste Blut war bereits im Labor und die Geräte machten das, was sie sollten, aufzeichnen. Alles gut soweit stellte die Internistin fest und holte das Ultraschall in den Raum. Mittlerweile lag ich schon knappe zwei Stunden in dem kleinen Raum mit der Nummer 37. Während die kleine, mit Gel beschmierte Kamera über meinen Bauch fuhr, wurde ganz beiläufig gefragt, wieviel Alkohol ich denn so trinken würde. Bei dieser Frage muss ich ja immer ein bisschen schmunzeln. „Ich hatte Ostern ein Glas Weißwein“ gab ich wahrheitsgemäß an. Da musste selbst die Ärztin lachen.

Kurz um, Leber, Nieren, Milz, Herz, und was sie sich sonst noch so angeschaut hat, war alles 1A und gab keinen Grund zur Klage 👍

Als nächstes kam dann Neurologe Nr. 2 in den Raum, wo ich nach mehr als drei Stunden schon sämtliche Deckenkacheln kannte.

Wieder musste ich meine Geschichte erzählen. Das war ja mittlerweile ein leichtes. Für kleine Scherze und Wortspiele war dieser Knabe so gar nicht zu haben. Gut, ich vermute, dass er aus der arabischen Ecke dieser Welt kam und den Spaß einfach nicht verstanden hat. Ist ja auch völlig egal, wenn er gut in seinem Job ist. Und er machte den Anschein als ob er wusste, was er tut.

Im übrigen genau die Untersuchungen die ich schon beim putzigen Neurologen Nr. 1 gemacht hatte. Bei den Füßen war er allerdings etwas weniger begeistert als Nummer 1.

Als der gute Kerl fertig war, lag ich bereits fünf Stunden da rum. Es war Mittag und mein Bauch wollte die Banane. Noch einmal Blut abzapfen um die Werte vom Morgen gegen zu testen, und dann wurde ich ins Wartezimmer geschickt. Sollte ja nicht so lange dauern… Gott war ich naiv 🙈

Im Wartezimmer merkte ich schnell, dass mittlerweile das absolute Chaos ausgebrochen war. Von wegen ruhiger Tag, wie der Chefarzt der Notaufnahme am Morgen noch den neuen Kollegen erzählte.

Ok, vielleicht ist es aber auch meine Wahrnehmung, und Chaos und Ruhe liegen in der Notaufnahme gleich nebeneinander in der Kabine, wer weiß.

Völlig gebannt starrte ich, wie alle Menschen in dem Wartezimmer, auf den Monitor an der Wand, der die nächsten Patienten einem Raum zu ordnete. Das geht übrigens auch, wenn man Banane isst, oder auch Kekse. Z121

Es wurde immer voller! In dem Flur stapelten sich die Betten, die per Rettungswagen eingeliefert wurden, acht Betten waren es in der Spitze. Da nach Priorität vorgegangen wurde, schob das natürlich alle anderen weiter nach hinten, was auch völlig verständlich ist. Das behandeln von kleinen Sport Verletzungen hat nicht die Dringlichkeit wie ein Herzinfarkt oder ähnliches.

Und so verging Stunde um Stunde. Ich meldete mich immer artig ab wenn ich zum rauchen raus ging und meldete mich immer wieder an, wenn ich rein kam. Wäre keine Schichtübergabe gewesen, wäre ich vermutlich nur noch wenige Zigaretten vom „Du“ mit der Schwester am Empfang entfernt gewesen.

Neben dem Starren auf den Monitor der Nummern, der die Z121 immer noch nicht aufblinken lassen wollte, kam ich mit anderen Mitstreitern und Gespräch. Es war sehr vielseitig, weshalb sich die Menschen den Tag in der Notaufnahme rum trieben. Einige waren auf eigene Faust da, viele aber weil ihre Ärzte sie geschickt hatten, so wie bei mir.

Es war mittlerweile dunkel draußen, wie ich bei einer der Zigaretten festgestellt hatte. Das 8:34 Uhr vom Morgen war mittlerweile zu 20:34 Uhr geworden. Gruselig! Einige Mitstreiter hatten bereits die Flinte ins Korn geworfen, eine junge Frau zum Beispiel, die sich über Stunden mit Nieren Koliken neben mir gekrümmt hatte. Sie konnte irgendwann einfach nicht mehr und ging. Am nächsten Morgen wollte sie wieder kommen. Ob sie wirklich wieder gekommen ist, weiß ich nicht.

Gegen Mitternacht riss einem meiner Leidensgenossen der Geduldsfaden. Er ging lautstark in Richtung Empfang und siehe da, die Nachtschwester nahm den Telefon Hörer in die Hand und fragte, wann mit einem Aufruf des Mannes so in etwa zu rechnen war.

Was einmal klappt, klappt auch zwei Mal und der Mann war Stunden nach mir gekommen.

Die Schwester war mehr als irritiert, als ich ihr erzählte, dass ich bereits seit dem Mittag auf meine Blutergebnisse warten würde. Wieder nahm sie den Hörer in die Hand. Ich bekam mit, dass ich durch mein stundenlanges warten schon nicht mehr als ambulante, sondern als stationäre Aufnahme zählte, zumindest im Abrechnungssystem. Das hätte allerdings auch bedeutet, dass ich mehr als nur die Notaufnahme und das Wartezimmer gesehen hätte. Und vor allem hätte ich mehr als nur eine Banane und ein paar Kekse im Magen.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Eine Schwester kam, rief mich und brachte mich in ein anderes Behandlungszimmer als am Morgen. Zack, wieder an alle Geräte angestöpselt und wieder begann das Warten, diesmal liegend. Nebenbei murmelte sie was von Entschuldigung, viel los, und ich gab ihr zu verstehen, dass ich durchaus gemerkt habe, dass die Hecke gebrannt hat und alle am Limit arbeiten. Sie war dankbar für die netten Worte, die dort auch glaube ich nicht allzu oft an die Mitarbeitenden gerichtet werden.

Eine Stunde später, es ging auf 01:00 Uhr Nacht zu, kam Neurologe Nr. 3 in den Raum, guckte sich meine Werte an, nahm mir die Braunüle aus dem Arm und verabschiedete mich mit den Worten, viel los, die Werte sind ok, auf Wiedersehen. Das auf Wiedersehen sollte tatsächlich einige Wochen später passieren 😕

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